Meine Philosophie
Kleinwüchsige Menschen werden auch heute noch oft auf der Straße ausgelacht und verspottet, und das nicht nur von Kindern. Wir werden als Zwerge, Gnome oder Liliputaner bezeichnet. Zwerge und Gnome sind Fabelwesen und Liliputaner gibt es nur im Roman "Gullivers Reisen" und sind in der Phantasie des Autors Jonathan Swift gerade einmal 6 Zoll groß!
Im alten Ägypten wurden kleinwüchsige Menschen als Gottheit hochgeachtet und verehrt, und auch als Hofzwerge genossen sie eine höchst respektable Rolle. Aufgrund der gesellschaftlichen Veränderungen, die durch die industrielle Revolution in Gang gesetzt wurde, landeten sie schließlich auf Jahrmärkten, Freakshows oder in der Zirkusmanege. Eine solche zur Schaustellung wird heute teilweise abgelehnt, deshalb wird die Arbeit eines kleinwüchsigen Schauspielers oder Darstellers oft kontrovers diskutiert.
Unsere Gesellschaft ist noch lange nicht bereit anders aussehende Menschen zu akzeptieren. Wir gelten als körperbehindert und werden auf Sonderschulen aussortiert. Im Berufsleben sieht es nicht viel anders aus. Es gibt zwar eine festgesetzte "Behinderten-Quote", aber Firmen können sich gegen ein geringes Entgelt davon freikaufen und nehmen diese Option auch gerne wahr. Also bleiben oft nur der öffentliche Dienst oder irgendwelche Wohltätigkeitsverbände als potentielle Arbeitgeber übrig. Viele Berufe werden kleinwüchsigen Menschen auch bei entsprechender Qualifikation ewig verschlossen bleiben. So landen viele ohne eine wirkliche Chance gehabt zu haben letztendlich im sozialen Netz. So findet der normale Alltag in unserer Gesellschaft oft ohne uns statt. Eine logische Folge ist daher, dass wir in der Öffentlichkeit viele Blicke auf uns ziehen, so dass viele kleinwüchsige Menschen sich sogar in der Freizeit immer mehr zurückziehen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten dieser unbefriedigenden Situation zu bewältigen. Ich habe alle Varianten ausprobiert und mich hat bisher keine davon wirklich überzeugt. Mir wurde seit Geburt vermittelt, dass ich eine große Bürde zu tragen habe. Nun trete ich die Flucht nach vorne an und gehe in die Offensive. Ich trete womöglich den Beweis an, dass dieses vermeintliche "Handicap" auch ein Vorteil sein kann. Meine Erfolge innerhalb kürzester Zeit geben mir Recht. Auch wenn ich öfter in Rollen schlüpfe, die typische Klischees bedienen und vielleicht auch ein stereotypes Bild von kleinwüchsigen Menschen vermitteln, glaube ich damit mehr in dieser Gesellschaft zu bewirken, als mich zu verstecken.
Ich bin ein Darsteller und ein Schauspieler. Ich bin ein Performer und auch ein Model. Ich bin ein Entertainer, vielleicht bin ich aber auch nur ein moderner Hofzwerg. Ja, in Wahrheit bin ich wohl nur ein kleiner Narr…
(Als Narr wurde laut Wikipedia im Mittelalter ein Spaßmacher bezeichnet, der für Unterhaltung und Belustigung sorgen sollte und dabei meist auffällig gekleidet war. Die Faszination, die vom Narren ausgeht, begründet sich wohl hauptsächlich darin, dass er ein Attribut verkörpert oder lebt, dem jeder Mensch durch eine Lappalie verfallen könnte. Die Verkörperung der Dummheit, verwerfliche moralische oder ethische Handlungen, gesellschaftliches Fehlverhalten oder einfach Auffälligkeit, sind Eigenschaften, die irgendwo jedem Menschen anhaften, Eigenschaften, denen man in einem Moment der Unachtsamkeit verfallen kann und sich somit zur Gruppe der Außenseiter gesellt. Trotz seiner Abgeschiedenheit und besonderen Behandlung besteht also eine relativ hohe Identifikation mit der Figur des Narren. Denn die Tatsache, dass jeder narr hafte Züge trägt und egal, welcher ständischen Kategorie er angehört, in diese gesellschaftliche Gruppe absinken könnte, macht den Narren anziehend und in gleicher Weise zu einem Symbol der menschlichen Ängste des triebhaften Fehlverhaltens. Der Narr als Phänomen, das jeden in jedem Augenblick ereilen kann, das einem zum Lachen und Ängstigen bringt; eine Figur, die zu viele Rätsel mit sich bringt, als dass man sie nicht in irgendeiner Weise, zwar mit gewisser Distanz, aber trotzdem mit Interesse, betrachtet.)